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alfred schnittke

Werk
Konzert No. 2 für Violoncello und Orchester

Seit Jahrzehnten war die legendäre Erscheinung von Mstislav Rostropowitsch für mich eine der wenigen richtungsweisenden Gestalten der musikalischen Gegenward. Doch erst 1974 kam es zu einer flüchtigen Bekanntschaft und zu einem Gespräch über ein Stück, das für Cello gedacht war. Aber dann traten erschwerende Ereignisse ein: die Verbannung und die darauffolgende Änderung der Staatsangehörigkeit von Rostropowitsch und seiner Frau, Galina Wischnewskaja - und bei mir die sich fortsetzende, fast völlige Unmöglichkeit, in den Westen zu kommen. Erst 1986 begann das Abtauen des vorher ewig erscheinenden Eises, und damit auch eine Kontaktmöglichkeit - und auch ein Weiterführen des alten Planes, der schließlich Anfang diesen Jahres zur Ausführung kam.

Das zweite Cellokonzert wurde ganz anders als das erste (dieser Befund hat sich bis heute schon mehrfach wiederholt). Es ist eigentlich eine Klangwelt mit zwar vorherrschendem Celloklang, aber auch ein dramatisches Aufstauen eines kontrastierenden Orchesterklangs. Doch der 5. Satz - eine Passacaglia - ist der wichtigste: Über einem sich auf tausend Arten spiegelnden Choral erhebt sich ein unendliches Rezitativ der Cellostimme, das sich manchmal thematisch gestaltet, manchmal nur spontane Reaktionen beinhaltet. Kurz vor dem Ende kommt ein überschäumender Höhepunkt. und dann bringt ein dunkler und dunkler werdender, abschwellender Orchesterklang diese Lebensuhr zum unhörbaren, ewigen Weiterklingen.

Ich müßte noch sagen, daß jenes Passacaglia-Thema aus einer von mir 1973/74 komponierten Filmmusik stammt, einer Musik zu Elem Klimows Film "Die Agonie", der über die letzten Wochen Rußlands vor der schon mehr als siebzig Jahre dauernden Nacht in der Geschichte dieses Landes berichtet - mit einer wirklich heranbrechenden Morgenröte, die letztlich aber doch nur eine Hoffnung blieb (denn es gab ja auch schon eine ganz andere Röte...).

Uraufführung: 27. Mai 1990, Evian

Mstislav Rostropovich, Symphony Orchestra of the Curtis Institute of Philadelphia - Theodor Guschlbauer.

Die Aufnahme mit dem Concerto grosso No. 2:
BIS CD-567, Lev Markiz

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p.baker