stephen harrap

Mass for World Peace

Messe für sechsstimmigen Chor und Orchester
von Stephen Harrap
Uraufführung am Pfingstsonntag 1999
im Hohen Dom zu Köln

Am Pfingstsonntag 1999 fand im Hohen Dom zu Köln im Rahmen des Hochamtes die Uraufführung einer Messe für sechsstimmigen Chor und Orchester von Stephen Harrap statt. Der Komponist widmete seine "Mass for World Peace" dem Erzbischof von Köln, Kardinal Meisner.

Die Komposition entstand in der Zeit als die Kosovotragödie die Welt in Atem hielt. Entsprechend ist die Messe für den Weltfrieden mit dem Herzblut des Komponisten "getränkt" und so angelegt, daß das Elend einer menschenverachtenden Auseinandersetzung und die Sehnsucht nach Frieden und Freiheit einher gehen mit den liturgischen Handlungen und der religiösen Andacht einer Messe. Aufgewühlte Dramatik, Wuchtigkeit und sphärenhafte Feinheiten bewegen sich im Wechselspiel von Harmonie und Dissonanzen, einer Vertonung brutaler Gewalt, hilflosem Ertragen und schließlich die verzweifelte Hinwendung zum Gebet als letzte Hoffnung:"Herr, laß diesen Kelch an mir vorüber ziehen."

Vor diesem Hintergrund beginnt das Kyrie mit stampfendem Rhythmus schleppender Schritte aus den ausgebrannten Ruinen getrieben in eine unsichere Zukunft. Dumpfe Schläge der großen Trommel münden ein in ein Klagelied der ermordeten Angehörigen. "Herr erbarme Dich unser" singen und schreien die jugendlichen Stimmen mit dissonantem Schmerz der Überlebenden. "Kyrie eleison" - "Christe eleison". Beharrlich gleichbleibende Triolen der Streicher, begleitet von dynamischem Schlagwerk, unterstützen die breit angelegten Blech-und Holzbläser in aufstrebender Dissonanz. Der Chor begehrt auf. Seine strahlende Frische lassen Hoffnung und Zuversicht entstehen und die Tränen des Schmerzes trocknen.

Der Weg zur Verherrlichung Gottes im folgendes Gloria ist geebnet. Feierliche Fanfarenklänge im gesamten Blech gipfeln in eine ekstatische Lobpreisung des Herrn durch einen befreienden Chorgesang: "Gloria in excelsis Deo", Lamm Gottes, Du nimmst hinweg die Sünden der Welt. Herr, erbarme dich unser. Ein winziger Hoffnungsschimmer der Betroffenen für die Zukunft? Oder gar Großmut?

Unter heftigem Crescendo von Pauken und Blech strahlt das Gloria mit seiner ganzen Pracht in das Credo hinein:"Credo in unum Deum." Ich glaube an Gott, den Allmächtigen. In einem ruhigen dennoch gefestigten Dialog zwischen Chor und den Instrumentalgruppen des Orchesters entwickelt sich eine feierliche Andacht bis hin zu einer dynamischen Lobpreisung des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Längst hat der liturgische Ablauf der Messe die Hoheit an sich gezogen und vorläufig eine Verlagerung der Schwerpunkte im musikalischen Werk herbeigeführt.

Das macht sich vor allem im Sanctus et Benedictus bemerkbar. In geheimnisvoller Weise vollzieht sich im Höhepunkt der Liturgie, der Wandlung, die symbolische und von großer Glaubenskraft getragene Umwandlung des Brotes in Christi Leib und des Weines in das Blut, das Jesus für die Menschheit geopfert hat. Schnelle Trompetentriolen vermitteln unruhiges Flammenzüngeln und geben der Wandlung einen Hauch von nicht antastbarem Nebel, individueller Ehrfurcht und tief empfundener Gläubigkeit. Sanctus-Heilig, Benedictus-Lobpreisung. In der Tiefe des christlichen Herzens intoniert der Chor im Dialog mit dem Orchster "Hosanna in excelsis", angetrieben von einem alles überlagernden Feuersturm des Nichtfaßbaren und der Nähe zu Gott dem Vater.

Ein sehr melodisch ausmusiziertes Klarinettensolo leitet im Agnus Dei in schmerzvolle Akkorde hinein, dem Leid, der Sünden der Menschen und der Reue. Diese Gefühle bauen sich zunehmend auf, bis schließlich eine Klarinettenkadenz eine Mischung der Agnus-Klänge mit den Kyrieklängen im Anfang herbeiführt. Die wiederkehrenden Streichertriolen erinnern erneut an die schmerzvollen Kosovoereignisse. "Mass for Worldpeace" rundet sich ab und verwandelt sich allmählich zum harmonischen Schluß:"Dona nobis pacem."

Das abschließende "Deo gratias" faßt noch einmal in einem groß angelegten Hymnus die Lobpreisungen des Schöpfers zusammen: Groß ist unser Gott und seine Macht. Ein heroisches Amen verhallt am Ende in der Weite der großen Kathedrale. Die Stille kehrt zurück und macht Platz für Ergriffenheit über "Mass for World Peace."

Robert Dahmen


Pfingsten 2003

Dom Köln Pfingsten

Choral Kantate 2003

Choral Kantate 2003

Coral Kantate

Coral Mass 2003

Choral Kantate 2003

< HOME

© clockwork.de