Alfred Schnittke

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Konzert Nr. 1 für Violoncello und Orchester

Klavierauszug (Sikorski) 2003

17 Jahre nachdem Schnittke sein erstes Konzert für Violoncello und Orchester 1986 beendete, bringt der Verlag Sikorski nun einen Klavierauszug dazu auf den Markt. Bearbeitet wurde das Werk von Katia Tchemberdji, einer Komponistin und Pianistin aus dem Hause des Moskauer Konservatoriums.

Angelegt war das Werk ursprünglich dreiteilig, allerdings in einem gespielt. Nach Aussage Schnittkes ist ihm dazu noch "ein Finale geschenkt worden", was als zweites Largo und Kulminationsteil die vorherigen Sätze auf einen Höhepunkt treibt.

Der erste Satz Pesante moderato ist ein Gemisch aus Anklängen an sakrale Musik mit glockenartigen Fortschreitungen in breiter Akkordik und symphonischen, stark rhythmisierten Abschnitten, die das ruhige, kantable des Satzes geradezu zerschlagen. Gerade am Anfang ist dieses zu ersehen. Die Cellostimme ist dort nicht mehr mit Notenwerten aufgezeichnet, sondern durch eine durchgehende Linie mit zackigen Bewegungen ersetzt worden, während das Orchester Clusterfolgen spielt.

Auch Teile des Schlagwerkes (Pauke und kleine Trommel), besonders am Ende des Satzes, wurden in die Klavierstimme integriert. Dadurch entsteht in der Umsetzung ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Harmonie und Rhythmik. Andererseits führt das an manchen Stellen auch zu einem sehr hohem Niveau der Spielbarkeit.

Der folgende Satz Largo bezieht seine Ruhe aus der meist "schweigenden" Begleitung. Lediglich leise Orgelpunkte durchziehen große Strecken des Satzes in Abwechslung mit unrhythmisierten Akkorden oder leichten, melodischen Bewegungen. Dezent hat Schnittke auch Vierteltöne in die Cellostimme eingebracht, was dem leidenden Charakter noch mehr Ausdruck verleiht. Zum Ende hin schwillt der Satz an und endet im Allegro vivace.

Mit festem Tanzrhythmus und ausgehaltenen Noten im Cello beginnend, wechselt der dritte Satz sein Gesicht und nimmt einen gebrochenen Takt à la Strawinskij an. Nach furiosen Einlagen der Solostimme baut sich ein choralähnlicher Teil auf, der sich letztlich zu Clustern verdichtet, abrupt endet und sich in einem solistischen accompagnato verliert. Zuletzt jedoch zieht das Orchester in einem langen Glissando an …

… zum ppp des letzten Satzes Largo. Aus dem kaum hörbarem Beginn heraus entwickelt sich eine Allusion eines altrussischen Kirchengesanges. An seinem Höhepunkt, dem Thema im Cello, soll dieses, nach Anweisung des Komponisten, mit einem Mikrofon verstärkt werden, damit das Thema sich vom anschwellenden Orchesterapparat abhebt. Nach der Glanzleistung eines b''' in der Solostimme ebbt der Choral langsam ab und verfliegt unter den Flageolett-Tönen des Cellos ins Nichts.

Ein orchestrales Werk dieser Größe auf eine Klavierstimme zu beschränken, ist eine schwierige wie undankbare Arbeit. Neben Clustern, Glissandi und Orgelpunkte über mehrere Takte hat das ganze Orchester mehr Möglichkeiten als ein einzelner Pianist. Die Umsetzung ist deshalb so gut gelungen, weil Rhythmus wie Harmonik erhalten blieben und den jeweiligen Charakter der Sätze wiedergeben. Bei längerem Aushalten von Akkorden könnte es allerdings in der Umsetzung mangeln. [JK]

aus http://www.die-tonkunst.de

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