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alfred schnittke

Leben

sikorsky

Alfred Schnittke zum 60. Geburtstag - eine Festschrift, SIKORSKI Verlag. Für viele Beiträge der Alfred Schnittke Seiten lieferte dieses Buch die Quellen! Ein unbedingtes 'Muss' für Schnittke Fans. Taschenbuch

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"Wahrheit ist ewig, weil sie sich stets verändert; daher ist sie
jeden Tag anders."

24. 11. 1934

in Engels (Hauptstadt der ehemaligen Wolgadeutschen Republik) geboren. Der Vater ist Journalist und Übersetzer, die Mutter Deutschlehrerin an einer Mittelschule, später Mitarbeiterin der deutschsprachigen Zeitung "Neues Leben".

1941

Während eines Moskau-Besuches bei den Großeltern wird Alfred Schnittke an einer Zentralmusikschule angemeldet. Der Kriegsausbruch verhindert die Ausbildung. Alfred kehrt nach Engels zurück.

1946 - 1948

Als Mitarbeiter einer deutschsprachigen Zeitung in Österreich holt der Vater die Familie nach Wien. Alfred erhält ein Akkordeon als Geschenk. Beginn des Musikunterrichts in Wien, Klavierstunden bei Charlotte Ruber. Opern- und Konzertbesuche. Erste Kompositionsversuche, Entschluß, Musiker zu werden.

1948 - 1953

Die Familie zieht nach Valentinowka bei Moskau. Bald bewirbt sich Alfred an einer Musikfachschule und wird im September 1949 trotz erheblicher Wissenslücken in die Abteilung Chordirigieren aufgenommen. Er entwickelt sich zu einem guten Pianisten (u.a.Rachmaninoff: 2. Klavierkonzert), erhält Theorieunterricht und lernt privat Harmonielehre und Kontrapunkt.

1953 - 1958

Studium am Moskauer Konservatorium (Komposition und Kontrapunkt bei Jewgeni Golubew, Instrumentation bei Nikolai Rakow). Intensieves Aufnehmen des musikalischen Erfahrungspotentials. Wesentliche Anregungen durch den in Moskau lebenden Webern-Schüler Filip Herschkowitsch, der ihn mit Kompositionen von Schönberg, Webern und Berg vertraut macht. Starke Anziehung üben Werke von Dimitri Schostakowitsch aus. In den letzten Studienjahren rücken Stravinsky, Orff, Hindemith, Honegger ins Blickfeld. Schnittke schreibt Lieder und Klaviervariationen.

1958 - 1961

Aspirantur am Konservatorium. Schreibt als Diplomarbeit das Oratorium "Nagasaki". Dieses wird wegen seiner expressionistischen und modernistischen Haltung scharf kritisiert, namentlich die im 3. Satz dargestellte musikalische Apokalypse (mit Vibraphon, Termenvox und Posaunenglissandi), Schreibt 1959 die folkloristisch geprägte Kantate "Lieder von Krieg und Frieden" (UA 1960 im Gr. Saal des Moskauer Konservatoriums, Druckausgabe 1964). Komposition des 1. Violinkonzertes und des Konzertes für Klavier und Orchester. Schnittke wird Mitglied des Komponistenverbandes der UdSSR.

1961 - 1972

Lehrer für Instrumentation (gegen geringes Stundenhonorar) am Konservatorium. Musik fürs Theater und - ab 1962 - zahlreiche Filmmusiken. Entstehung bedeutender Orchester- und Kammermusikwerke (u.a. Dialog für Violoncello und 7 Instrumentalisten, 1. Streichquartett 1966, 2. Violinkonzert, Pianissiomo, 2. Violinsonate "Quasi una sonata", Serenade 1968, 1. Sinfonie 1969-72). Versuche mit Aleatorik und Dodekaphonie. Schnittke wendet sich von einseitigen modernistischen Tendenzen ab und bezieht (Anregungen von Ives, Pousseur, Berio und B.A. Zimmermann folgend) polystilistische Elemente in seine Kompositionen ein. Zahlreiche theoretische Arbeiten zur neueren Musik. Auslandsreisen seit 1967: Polen und DDR. Seit 1966 vermehrt Aufführungen in der Sowjetunion, erstmals auch bei internationalen Festivals Neuer Musik (Donaueschingen, Warschau).

1972 - 1980

Konzertreise mit Gidon Kremer, Tatjana Grindenko und dem Litauischen Kammerorchester (unter S. Sondetzkis) in die BRD und Österreich. 1975 Requiem, Riesenerfolg mit dem 1. Concerto grosso. 1979 ist Schnittke Gast des British Council. 1980 Gastprofessur an der Wiener Hochschule für Musik und Darstellende Kunst. Komposition u.a. des 3. Violinkonzertes (1978), der 2. Sinfonie "St. Florian" (1979), von 3 Moz-Art-Stücken (1976/80). des 2. Streichquartetts und der Gogol-Suite (1980).

1981 - 1985

Schnittke wird Mitglied der West-Berliner Akademie der Künste. Komposition des 2. Concerto grosso und der 3. Sinfonie (1981). John Neumeier vertanzt Orchesterwerke Schnittkes (Endstation Sehnsucht, Othello), Faust-Kantate "Seid nüchtern und wachet..." (1983), 4. Violinkonzert und letzte Filmkompositionen (1984), (K)ein Sommernachtstraum, Violakonzert (1985). - Schnittke erleidet 1985 seinen ersten Schlaganfall.

1986 - 1990

Schnittke komponiert das 1. Cellokonzert (1985/86) und als Auftragswerk der Hamburgischen Staatsoper für John Neumeier das Ballett "Peer Gynt" (1986; UA 1989). Mitglied der Königlichen Schwedischen Akademie für Musik Stockholm und der Kunstakademien in Münschen und Ost-Berlin (1986). Aufsatz "Polystilistische Tendenzen in der zeitgenössischen Musik". Entstehung des 4. Concerto grosso-5. Sinfonie, des Konzertes für Klavier vierhändig und Kammerorchester (1989), Oktober 1989 Übersiedelung nach Berlin, wo er als Fellow des Wissenschaftskollegs und als 'Composer in residence' des Berliner Philharmonischen Orchesters bis Juli 1990 arbeitet. Schnittke wird Leiter einer Komponistenklasse an der Hamburger Musikhochschule, Ehrenmitglied der Freien Akademie der Künste Hamburg. Übersiedelung nach Hamburg, Deutsche Staatsbürgerschaft (1990) 2. Violoncellokonzert (1990)

1991 - 1994

Schnittke wird mit dem Österreichischen Staatspreis ausgezeichnet. Arbeit an der ersten Oper "Leben mit einem Idioten" nach der gleichnamigen Erzählung von Viktor Jerofejew (Fertigstellung 1992). Im Juli 1991 erleidet er den zweiten Schlaganfall. Sensationelle Uraufführung der Oper "Leben mit einem Idioten" in Amsterdam. 1992 erält Schnittke internationale Preise: Praemium Imperiale (Tokio) und Bach-Preis der Hansestadt Hamburg. Präsentation des Films "Die letzten Tage von St. Petersburg" mit Musik von Alfred und Andrej Schnittke in Frankfurt/Main. 1993 wird Schnittke mit dem Russischen Kulturpreis ausgezeichnet. Von September 1991 bis Juni 1994 entsteht in wachsender Akzelleration ein gigantisches Spätwerk mit 26 selbständigen Kompositionen; darunter 3 Opern (Leben mit einem Idioten, Gesualdo, Historia von D. Johann Fausten), 3 Sinfonien (Nr. 6-8), 8 Orchesterwerken (u.a. das 6. Concerto grosso), 1 Quartett, 1 Trio und 2 Sonaten, Klavierwerken, Chöre und Lieder. Er vollendet seine Auftragsopern "Gesualdo" und "Historia von D. Johann Fausten". Schnittke erleidet im Juni 1994 zwei weitere Schlaganfälle. Zahlreiche Geburtstagskonzerte und Festivals anläßlich des 60. Geburtstages.

1998

Tod am 3. August 1998 in der Hamburger Universitätsklinik Eppendorf im Alter von 63 Jahren durch die Folgen eines erneuten Schlaganfalles.

Alfred Schnittke wurde am 10. August 1998 in Moskau mit einem Staatsbegräbnis geehrt.

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