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Lew Markiz
Lieber Alfred!
Vor nicht allzulanger Zeit erhielt ich
aus Hamburg ein Verzeichnis derjenigen Werke, die Du in den letzten anderthalb
Jahren vollendet hast.
Ich gebe zu, daß ich diese Liste
mit dem Gefühl einer gewissen Verständnislosikeit durchglesen habe,
indem ich versuchte mir vorzustellen, wie ein normal Sterblicher nicht nur
all diesen undenkbaren Reichtum komponieren, sondern auch noch zu Papier
bringen kann!
Ich erinnere mich, wie ich vor ungefähr
vier Jahren Dich und Irina nach den Aufnahmen des Bratschenkonzerts
zum Flughafen Malmö begleitet habe, und Du um's Verrecken nicht wolltest,
daß ich Dir helfe, einen geheimnisvollen ledernen Reisesack zu tragen,
der, wie ich später erriet, zum Bersten voll war mit Manuskripten und
deren 'Embryonen'. Der Reisesack wog wahrscheinlich mehr als die von der
Fluggesellschaft erlaubte Norm. Das ist jetzt nicht mehr verwunderlich.
Am 4. Dezember 1994 wird in Utrecht in
einem herrlichen Saal (genauer gesagt in zwei Sälen) der 'Schnittke-Tag',
Dein Tag, stattfinden. Wir hoffen alle, daß Du zum Konzert von Irina
und Mark Lubotsky kommst. Das Konzert wird ungefähr 8 Stunden dauern.
Dazu gehören Diskussionen, Ausstellungen, Filme und
Video-Aufzeichnungen.
Wenn ich auf den Probeplan gucke, so
stehen mir die Reste meiner Haare zu Berge! (Bin ich doch 4 Jahre älter,
und wir beide sind 'Skorpione'). (...) Wir werden alles zu diesem Tag
vorbereiten, ohne uns und ... die anderen zu schonen! (Die Anderen, das sind
die Fonds, Sponsoren u.s.w.)
Aufgrund all dessen möchte ich Dir,
dem eigentlich Schuldigen, danken.
Ich liebe Dich sehr, Dein Lew Markiz
(Aus dem Russischen übersetzt
von Ulrike Patow)
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