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"Ich bin nicht
Resultat, sondern nur Werkzeug; etwas außerhalb meiner selbst wird
durch mich hörbar". |
| I
Adam saß vor dem Paradies und weinte:
Mein Paradies, mein herrliches Paradies!
Für mich warst Du geschaffen,
Nur Evas wegen bist du mir
verschlossen.
Ich habe gegen meinen Gott
gesündigt.
Und ich habe das Gebot gebrochen.
Ich werde nie mehr paradiesische Speisen
sehen.
Ich werde nie mehr die Stimme des Erzengels
hören.
Ich habe gesündigt, mein Gott!
O Gott, vergib mit Gefallenen! |
II
Es nimmt mich die Wüste auf wie
die Mutter ihr Kind.
Leise und stumm birgt sie mich in ihren
Schößen.
Drohe mir nicht, Wüste, mit deinen
Ungeheuern;
dem Flüchtling ohne Rückkehr
in fremder Welt.
O schöne Wüste, du freundlicher
Eichenwald!
Du bist mir lieber, als es die
Prunkgemächer und Goldkammern des Zaren sein könnten.
Ich werde auf den Wiesen deines Wundergartens
gehen,
mit ihren vielen Blumen, wo die Luft
von leisen Winden bewegt wird;
wo die lockigen Zweige der Blumen sich
bewegen.
Ich werde leben als Wolf, allein durch
die Welt treiben, die Menschen und ihr heuchlerisches Leben meiden.
Ich werde mich verstecken, weinend und
heulend in deinen wilden Schößen.
O Herr, o Zar!
Du hast mich erfreut mit irdischen
Gütern.
Entziehe mir nicht dein himmlisches
Reich! |
| III
Weshalb lebe ich in Armut:
Ich besitze keine Erde,
ich habe keinen eigenen Hof,
ich pflüge nicht den eigenen
Garten,
in der Seefahrt suche ich nicht
Gewinn,
mit Kaufleuten handele ich nicht,
den Fürsten diene ich nicht,
den Bojaren bin ich nicht
nützlich,
als Diener tauge ich nicht.
Zu Büchergelehrsamkeit bin ich
ungeeignet,
an die Kirche glaube ich nicht,
die Vorschriften meiner geistlichen
Väter mißachte ich,
so ziehe ich göttlichen Zorn auf
mich.
Gute Taten sind meine Sache nicht,
ich bin voll der Unehre, mit Sünden
beladen.
Gib mir, mein Gott,
vor dem Ende die Möglichkeit zur
Beichte. |
IV
Meine Seele -
warum befindest du dich in
Sünden,
welchem Willen gehorchst du,
wie verwirrend handelst du?
Erhebe dich - laß alles...
und weine bitterlich über deine
Taten,
solange du noch wartest auf deine
Todesstunde.
Dann wird es zu spät sein, Tränen
zu vergießen.
Bedenke, meine Seele,
die bitteren Stunden der Angst und des
Schreckens,
bedenke die ewige Qual, die die
Sündigen erwartet.
Ermanne dich, o Seele, laut
schreiend:
Gnädiger, beware mich! |
| V
O Mensch - verdammt und
armselig,
deine Lebenszeit geht zu Ende, dein Ende
naht,
ein schreckliches Gericht wird kommen
über dich.
Wehe dir, armselige Seele!
Deine Sonne geht unter,
und der Tag dämmert,
die Streitaxt liegt bei den Wurzeln.
Seele, o Seele,
warum klagst du über die
Vergänglichkeit?
Seele erzittere, bevor du deinem
Schöpfer erscheinst
und den Todesbecher trinkst
und bevor du leidest unter dem stinkenden
Teufel
und vor ewiger Qual.
Von ihr, Christus, befreie unsere Seele
-
erhöre unsere Gebete. |
VI
Als sie sahen das Schiff, das plötzlich
kam,
schrieen die beiden schönen Brüder
Boris und Gleb:
O Bruder Swjatopolk, vernichte uns
nicht,
wir sind beide noch sehr jung!
Schneide nicht die
Sprößlinge,
die noch keine Früchte
hervorgebracht haben.
Schneide nicht mit der Sichel die unreife
Ähre,
vergieße kein unschuldiges
Blut.
Bereite unserer Mutter keinen
Kummer!
Bestatte nur in der russischen Erde im
Vyschgorod.
Unserm Gott sei Dank! |
| VII
O meine Seele, warum hast du
keine Angst vor den Toten in den Gräbern,
vor den bloßen und schrecklichen
Knochen.
Erkenne und schaue:
Wo ist der Fürst, und wo ist der
Herrscher?
Wo ist der Reiche, wo der Arme?
Wo ist die Schönheit des
Gesichts?
Wo ist die Redekunst der Weisheit?
Wo sind die Hochmütigen, wo die
Ruhmsüchtigen?
Wo sind jene, die mit ihrem Gold und
ihren Perlen vor anderen prahlen?
Wo ist Stolz, wo ist Liebe?
Wo sind die Habgierigen?
Wo ist das wahrhaftige Gericht, das dem
Schuldigen keine Ruhe gibt?
Wo ist der Herrscher, wo der Sklave?
Ist nicht alles gleich:
Staub und Erde und stinkender
Schmutz?
O meine Seele, warum zitterst du nicht
vor Schreck?
Wieso hast du keine Angst vor dem
schrecklichen Gericht und den ewigen Qualen?
O armselige Seele!
Erinnere dich, wie du den Worten des
irdischen Zaren, eines vergnüglichen Menschen, mit Aufmerksamkeit
folgtest,
aber den Geboten deines himmlischen
Schöpfers nicht gehorchtest.
Du lebst in ewiger Sünde,
die Lehre der Schrift nimmst du nicht
ernst, du spottest über sie.
O meine Seele!
Weine, schreie Christus zu:
Jesus, rette mich!
Befreie mich - folgend den Gebeten der
Heiligen -
von ewigen und bitteren Qualen. |
VIII
Wenn du die Zeitlosigkeit der Trauer
überwinden willst,
dann sei nie traurig vom zeitlichen
Unglück.
Wenn du einmal geschlagen wirst
oder wenn dir die Ehre genommen wird
oder wenn du verjagt würdest,
sei nicht traurig,
sondern sei immer frohen Herzens.
Sei nur dann traurig, wenn du gesündigt
hast.
Doch selbst dann nur mit
Maßen.
Dann gerätst du nicht in
Verzweiflung
und zerstörst dich nicht.
 |
| IX
Über mein Leben als das eines
Geistlichen
habe ich nachgedacht!-
über mein trauriges und unsicheres
Leben.
Ich habe mir gesagt: Wehe mir!
Was unternehme ich alles, wo lebe ich
und was ertrage ich.
Im Kloster gibt es Mönche und
Arbeiter
und viele untergeordnete,
dazu ältere und geschwätzige
Mönche.
Alle sind vom Hochmut besessen und gierig
nach Geld.
Sie hassen ihre Freunde. Ihr Geiz verbindet
sie.
In ihrer Tücke sind sie
verknöcherte Verdammte.
Sie selber tun nie Abscheuliches,
aber uns werfen sie kleine Fehler
vor.
Sie haben zu jeder Zeit die
verschiedensten Speisen genossen.
Uns aber wollen sie nicht einmal ein
schlechtes Essen gönnen.
Wein und andere Getränke haben sie
immer getrunken.
Töricht vor Gier, haben sie uns
verschmäht.
Sie haben von allem mehr als genug.
Uns hat man keinen einzigen Becher
angeboten.
O wahnsinniger Geiz!
O Abneigung gegenüber den
Nahestehenden!
Sie haben nicht darüber
nachgedacht,
daß die göttlichen Güter
allen zugedacht sind.
Sie haben vergessen die mönchischen
Gelübde;
wenn sie das nicht vergessen haben, dann
waren sie in allem unehrlich.
Ihre Bäuche haben Sie
vollgestopft.
Kleidung haben sie in Mengen
angehäuft.
Den irdischen Menschen haben sie damit
geprahlt.
Wanderer und Arme haben sie nicht beachtet,
sondern sie sogar beleidigt.
O Christus, unser Gott, unser Herr
und himmlischer Zar, gib uns Geduld,
um Kränkungen zu ertragen.
Befreie uns aus ihrer Gewalt.
Rette uns, Herr, rette uns, du
Menschenfreund! |
X
Sammelt Euch, Ihr christlichen
Menschen!
Laßt uns preisen das Leiden der
Märtyrer,
die Christus im Leiden nachfolgten und
viel Leid erduldeten.
Sie haben ihren Leib mißachtet
in dem einzigen Vertrauen zu Gott.
Vor Zaren und Fürsten haben sie
Christus bezeugt
und ihre Seele dem echten Glauben
geschenkt.
Jetzt, Freunde und Brüder,
leiden auch wir für den christlichen
Glauben
und für das heilige Reich, für
unseren rechtgläubigen Zar und für das christliche Volk.
Widerstehen wir unseren Verfolgern,
und beschmutzen wir nicht unser
Gesicht.
Weichen wir nicht zurück,
sondern treten den Feinden
und Ungläubigen entgegen,
die unseren Glauben zerstören
wollen.
XI
Ich bin in dieses elende Leben
gekommen als nackter Säugling.
Nackt werde ich auch aus dem Leben
gehen.
Ohnmächtig - warum muß man
Beschwerde führen.
Nackte - warum seid ihr grundlos
besorgt,
wissend, daß unser Leben nicht
ewig währt?
Wunderschön, wie wir gehen nach
gleicher Art
aus der Dunkelheit ins Licht
und aus dem Hellen ins Dunkel,
aus dem Mutterleib mit Schreien in die
Welt
und aus der traurigen Welt ins Grab.
Der Anfang ist Weinen - das Ende ist
Weinen.
Welche Notwendigkeit ist unser
Gehen?
Traum, Schatten, Verlockung,
das ist die Schönheit des
Alltags.
O Zauber des vielfältigen
Lebens!
Wie Blumen, wie Staub und wie Schatten
geht es vorüber.
(Texte aus dem 16.
Jahrh.) |
|
(Aus dem Russischen übersetzt
von Tatjana Rexroth) |
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