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alfred schnittke

Werk
4. Concerto Grosso - 5. Symphonie

Die fünfte Symphonie, die der Komponist zum hundertjährigen Bestehen und im Auftrag des Concertgebouw-Orchesters schrieb, führt den polystylistischen Hinweis schon im Titel: 4. Concerto Grosso - 5. Symphonie lautet er. Mit dem "Concerto grosso" das den ersten Satz bildet, zitiert Schnittke eine Form, die bei ihm schon in anderen Stücken eine Rolle spielte: gleichsam ein zitiertes Zitat also. Mitkomponiert wird zugleich die Anstrengung, heute zu einer entspannten Concerto-grosso-Geste zu finden: aus der Mischung von lockerem Ansprung auf das Material, bei dem Geige, Oboe und Cembalo mit dem Orchester wetteifern, und leicht verzerrter musikalischer Mimik entsteht eine höchst lebendig wirkende, moderne Concerto-grosso-Musik.

Im zweiten Satz, einem Allegretto, unternimmt das groß besetzte, percussionsstarke Orchester dreimal einen als weite Bewegung angelegten Versuch, die Klangwelt Mahlers zu beschwören - Erinnerung an etwas , das gar nicht zustande kam: der zweite Satz von Mahlers unvollendetem Klavierquartett von 1876. Schnittke zitiert am Ende des zweiten Satzes seiner Symphonie die erhaltenen 24 Takte des Scherzos aus Mahlers Klavier-Quartett: die vier Instrumentalisten, um das Klavier gruppiert, agieren aus dem Orchester heraus.

Der dritte Satz, mit einer dunklen Klangregion der Bläser in langsamem Tempo beginnend, steigert sich rasch zu dramatisch erregenden Höhepunkten und mündet in eine wiederum langsame Repriese, die Schnittke als vierten Satz konzipierte. Aus dem Trauermarsch-Charakter dieser Reprise wollen sich visionär-verklärende Klänge nicht so recht entfalten, der Satz schließt mit einer verzweifelt sich aufbäumenden Fortissimo-Gebärde und mündet in einen kurzen, verhauchenden Lento-Schluß.

Trotz der bemerkenswert langen Spieldauer von fast einer Dreiviertelstunde wirkt Schnittkes "Concerto-grosso-Symphonie" formal ungemein konzentriert, farbig in den instrumentalen Tönungen, klangsatt und reich an musikalischer Gestik. Nach dem spielerischen Cocerto-Anfang entfaltet sich das Werk in einer weit angelegten Steigerung als Expressivo-Musik par excellence.

Uraufführung: 10. November 1988, Amsterdam

Concertgebouworkest - Riccardo Chailly

Text mit freundlicher Genehmigung von BIS, Schweden

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